© Gisela - Red Bull Media House Tom Son / Servus Salzkammergut - Die Geschichte ist in Servus Salzkammergut erschienen
Das Ausflugsschiff Gisela fährt auf dem Traunsee.
Das Ausflugsschiff Gisela fährt auf dem Traunsee.
SucheSuchen
Schließen

Rendezvous mit Gisela

Ihr Schicksal schien bereits besiegelt, der Verschrottungstermin stand bevor. Doch dann wendete sich das Blatt, und so sticht Österreichs ältester Raddampfer nach 150 Jahren noch immer in See.

Als Sophie, Giselas älteste Schwester, am 15. Mai 1839 zu ihrer Junfernfahrt aufbrach, war dies der Beginn einer Geschichte, die noch heute geschrieben wird: die Geschichte der Traunsee-Dampf-Schifffahrt. Und geschrieben wird sie ausschließlich dank Gisela.
 Sophie war nämlich schon bald nicht mehr seetauglich, es wurde also eine Sophie II gebaut, die den Antrieb ihrer Vorgängerin eingesetzt bekam, schließlich noch eine Sophie III mit ebendiesem Antrieb. Sophie III wurde allerdings 1920 verkauft, nachdem sie zuvor von Betrunkenen angebohrt worden und im wahrsten Sinn des Wortes in Gmunden im Hafen abgesoffen war. Somit war Sophie am Traunsee Geschichte. Und Elisabeth, ab 1858 im Dienst und die Mittlere aus dem Dreimäderlhaus, wurde 1970 verschrottet. Auch die beiden Propellerdampfer, die einst die Flotte komplettierten, hatten ihren Dienst schon quittiert.
Gisela hingegen lässt nach wie vor regelmäßig Dampf ab und zeigt in den Sommermonaten Juli und August Gästen aus aller Welt Österreichs viertgrößten See. Und das nun schon seit 1872, was sie zu einem der ältesten Schaufelraddampfer der Welt macht.

„Alle drei Schiffe wurden nach Mitgliedern der kaiserlichen Familie benannt“, erzählt Karlheinz Eder, heute Inhaber der Traunsee-Schifffahrt. „Und Gisela war die älteste Tochter von Franz Josef I.“

Doch auch um Gisela war es zwischenzeitlich nicht allzu rosig bestellt, in Wahrheit war sie sogar schon dem sprichwörtlichen Untergang geweiht. „Die Dampfschifffahrt war zunehmend unrentabel geworden und Gisela ganz allgemein bereits in recht bemitleidenswertem Zustand“, sagt Karlheinz Eder. Und so sollte Gisela 1980 das gleiche Schicksal widerfahren wie Elisabeth. „Da fomierte sich aber Widerstand“, erinnert sich Karlheinz Eder. „Allen voran der ,Verein der Freunde der Stadt Gmunden“ setzte sich für Gisela ein, wollte die Verschrottung verhindern und wandte sich an meinen Vater Karl. Die Mitglieder meinten, eine Million Schilling, heute gut 70.000 Euro, würden ausreichen, um das alte Schiff zu restaurieren.“ Eder Senior war zwar klar, dass diese Summe nie und nimmer genügen würde, aber er schloss sich dem Vorhaben an, Gisela zu retten.

© Gisela Joerg Grieshofer - Red Bull Media House Tom Son / Servus Salzkammergut - Die Geschichte ist in Servus Salzkammergut erschienen
Kapitän Jörg Grieshofer steht in Kapitänsjacke am Steuerrad des Ausflugsschiffes Gisela.
Der Kapitän
Jörg Grieshofer steht am Steuerrad und verlässt Giselas Heimathafen in Gmunden. Die wunderschöne Tour führt nach Ebensee und wieder zurück.

Es dampft unter Denkmalschutz

„Mein Vater hatte schließlich die zündende Idee, die Gisela unter Denkmalschutz stellen zu lassen“, erzählt der Junior. Dieses Vorhaben erwies sich zwar als ungemein schwierig und brauchte weit mehr als nur einen Termin im Bundesdenkmalamt in Wien, aber die schwierige Übung sollte letztendlich gelingen. „So war es in weiterer Folge auch möglich, die Finanzierung auf die Beine zu stellen. Wobei sich die Kosten unterm Strich nicht auf eine, sondern auf 17 Millionen Schilling beliefen.“ Im Jahre 1986, rund sechs Jahre nach der geplanten Verschrottung, begab sich Gisela also erstmals wieder auf große Fahrt.


Die 'Gisela' unter Denkmalschutz zu stellen war die zündende Idee.

 „Sie ist sicher das Prunkstück unserer heutigen Flotte“, sagt Karlheinz Eder und erklärt, wie sich die Gisela im Lauf der Jahre ge- und verwandelt hat. „Das Steuerrad etwa befand sich einst noch am Heck, später dann in der Mitte und dort bis in die 1950er-Jahre im Freien, erst dann wurde es überdacht. Auch Aufbauten gab es lange Zeit keine, heute gibt es beipielweise ein geschlossenes Oberdeck mit 42 Sitzplätzen bei Tisch. Die wichtigste Änderung, sieht man vom gestiegenen Komfort an Bord ab, ist natürlich der Antrieb. So braucht es heute keinen Heizer mehr, denn aus Umweltschutzgründen wird die Maschine seit 1993 mit Heizöl extraleicht und nicht mehr mit Braun- oder Steinkohle befeuert.“

Was bei der Gisela nicht zuletzt ins Auge sticht, wenn sie so daliegt im Hafen von Gmunden vor dem Rathausplatz und dem alten Hotel Schwan mit dem Terrassencafé, ist der Mast im vorderen Drittel des 52 Meter langen, inklusive Radkästen knapp zehn Meter breiten und 190 Tonnen schweren Schiffs. „Der hatte sehr wohl seine Berechtigung“, sagt Karlheinz Eder, „denn die Gefahr einer Kesselexplosion oder eines Kolbenreibers war natürlich immer gegeben. In so einem Fall hätte man Segel setzen und so einen Hafen erreichen können. Es wäre auch insofern gar nicht unpassend gewesen, denn wenn man sich die Gisela so anschaut, erinnert sie von der Form her ohnehin ein wenig an ein Segelschiff. Hinten das breite, ausschwingende Heck, vorne der geschwungene Bug, in der Fachsprache Klipperbug genannt.“ 


Sie ist sicher das Prunkstück unserer heutigen Flotte.

Segel setzen musste man Eders Wissens allerdings nie, Katastrophen hielten sich in Grenzen. Nur eine ist belegt, die sich vor gut 25 Jahren zutrug. Eines Winters drang wegen eines der Kälte geschuldeten Gebrechens – ein Flutventil war geplatzt – derart viel Wasser in die vor dem Gmundener Rathaus ruhende Gisela ein, dass sie sank. „Nur noch das Heck schaute heraus, die Bergung erwies sich als unglaublich schwierig“, berichtet Karlheinz Eder, der die Traunseeschifffahrt 1984 von seinem Vater übernommen hatte und damals der jüngste Schifffahrtsunternehmer Österreichs war.

© Gisela Karlheinz Eder - Red Bull Media House Tom Son / Servus Salzkammergut - Die Geschichte ist in Servus Salzkammergut erschienen
Der Chef der Traunseeschifffahrt, Karlheinz Eder, steht auf einem Holzsteg neben dem Schaufelrad des Ausflugsdampfers Gisela am Traunsee. Kapitän Jörg Grieshofer steht an Deck des Schiffes.

Die Vorläufer der Eders

Heute umfasst die Eder’sche Flotte fünf Schiffe. Neben der Gisela, einst gebaut für 500 Gäste plus Kapitän und heute für 300 zugelassen, die MS Poseidon, die MS Karl Eder, die MS J Ruston sowie die MS Rudolf Ippisch, ein 1928 in den Niederlanden gebautes nostalgisches Motorschiff.

Die beiden letztgenannten Namen kommen freilich nicht von ungefähr. Schiffbaumeister Joseph J. Ruston, ein Engländer, war es, der erst die Sophie konstruierte, später die Elisabeth und schließlich die Gisela.
Quasi dazwischen, 1862, kaufte Ruston die Traunsee-Dampf-Schifffahrt, die 1895 sein Neffe John übernahm. Der junge Ruston aber bekam schon recht bald Konkurrenz, denn der gelernte Schuster Josef Ippisch gründete nach seinen beruflichen Wanderjahren 1909 die Traunsee-Motorboot-Gesellschaft, erwarb 1918 schließlich auch noch Rustons Flotte und war damit gleichsam Alleinherrscher am See. Rudolf Ippisch starb 1953, sein Enkel übernahm.

Zu dieser Zeit aber gab es auch schon Karl Eder, der mit seinem ersten Motorboot, der Erika, sogenannte Schlösserfahrten anpries und 1977 das Unternehmen von Ippisch erwarb - quasi die vorweggenommene Rettung der Gisela.

 

TEXT: Achim Schneyder FOTOS: Tom Son

Text & Fotos sind im Servus Salzkammergut Magazin 2022 erschienen.