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Revier-Rundgang im Gamsgebirg

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Manfred „Mandi“ Hopfer war fast vier Jahrzehnte lang Berufsjäger. Bei einem Revier-Rundgang in Grundlsee im Ausseerland-Salzkammergut blickt er auf die Entwicklung der Jagd zurück und schafft Bewusstsein für den rücksichtsvollen Umgang mit der Natur, dem Lebensraum von Wildtieren.

 

„Hier machen wir eine kurze Pause. Ich schau‘ einmal, ob dort oben Gamswild unterwegs ist“, sagt der Jäger und lässt sich auf eine Bank vor einer alten, verschlossenen Almhütte nieder. Als er mit seinem Fernglas die Gipfelgrate abzusuchen beginnt, legt sich seine Hündin nach einem kurzen „Platz!“ neben ihm ins kurze, herbstbraune Gras. Die 14-jährige Anka, eine reinrassige Tiroler Bracke, und ihr Herrl sind ein eingespieltes Team. Sie scheint die lauen Temperaturen und die herrliche Ruhe auf der Gößler Alm zu genießen. Das Almvieh wurde schon vor ein paar Wochen ins Tal getrieben. Kein Laut ist zu hören, nicht einmal Vogelgezwitscher. Goldgelbe Lärchen leuchten in der Sonne. Obwohl sich der späte Oktober von seiner schönsten Seite zeigt, ist klar: Der Winter ist nicht mehr weit. Vielleicht erscheinen gerade deshalb warme Spätherbsttage so dermaßen kostbar. Nach einigen Minuten stellt der Jäger fest: „Nix zu sehen, aber vielleicht haben wir weiter oben Glück.“

 

 

Unterwegs in Richtung Graswand

Die Wanderung führt bergwärts. Vorne geht der langjährige Berufsjäger Manfred Hopfer, von seinen Freunden „Mandi“ genannt. Anka folgt ihm auf Schritt und Tritt. Immer wieder blickt sie sich mit ihren großen, dunklen Augen um und vergewissert sich, dass alle da sind. Mandi ist seit drei Jahren in Pension. Das Revier Schwaiber am Grundlsee war die letzte Station seiner insgesamt fast 40-jährigen Laufbahn als Berufsjäger. Hier trug er zwischen 2006 und 2016 die Verantwortung. Mittlerweile ist die Jagd für ihn Freizeitbeschäftigung. Der herbstliche Revier-Rundgang führt vom Kanzlermoos ausgehend über die Gößler Almen in Richtung Graswand. Während des Aufstiegs erzählt Mandi. Er kennt in diesem Gebiet jeden Baum, jeden Fels, und versteht es hervorragend, komplexe Vorgänge in der Natur in einfache, verständliche Worte zu kleiden. Auf einer markanten Geländekante legt er einen kurzen Stopp ein: „Schau, von hier gibt es einen herrlichen Ausblick zum Reichenstein. Der Graben rechts davon, das ist der Salzgraben. Neben ihm erhebt sich der Siniweler. So schön die beiden Gipfel auch sind: Im Winter hat's hier schon viel zu viel totes Gamswild gegeben.“

 

 

Der Gamstod kommt per Hubschrauber

Mandi klingt besorgt. In seiner Stimme schwingt mit, dass ihm das Thema nahe geht. Für einen Nichtjäger liegt die Frage nach den Hintergründen auf der Hand. Mandi beantwortet sie: „Das Gamswild hat es im Winter generell nicht leicht. Das sieht man zum Beispiel anhand der Tatsache, dass nur zehn bis fünfzehn Prozent der Gamskitze ihren ersten Winter überleben.“ Die Gams ist an das karge Leben im Gebirge angepasst. In der kalten Jahreszeit spart sie Energie, um ihre Überlebenschancen zu erhöhen. Liegt viel Schnee, sucht sie sich für die Nahrungsaufnahme apere oder abgewehte Stellen. Dort findet sie dann noch einige Gräser. „Diese Stellen liegen zumeist in der Nähe von Gipfeln und Graten“, erklärt Mandi. „Und genau dort passieren durch menschlichen Einfluss Dinge, die viele Tiere in den Tod treiben. Zum einen wird das Gamswild aufgrund des boomenden Tourenskisports immer mehr von den Gipfelregionen vertrieben. Zum anderen absolvieren genau auf diesen Gipfeln – wie zum Beispiel auf dem Reichenstein und Siniweler – Hubschrauber im Hochwinter immer wieder Landeübungen. Sie kommen aus dem nördlichen Flachland. Wenn so ein Hubschrauber anfliegt, reagiert das Gamswild mit Stress und panikartiger Flucht. Manche Tiere stürzen beim Davonlaufen ab. Andere wieder bleiben im tiefen Schnee stecken, brauchen ihre Energiereserven auf und verhungern.“ Mandi erzählt von mehreren Vorstößen seinerseits bei den Verantwortlichen für diese Hubschrauberflüge. Sie blieben allesamt erfolglos. Ein Blick auf die Fakten macht traurig: In den vergangenen 15 Jahren ist der Gamsbestand im Revier Schwaiber um zwei Drittel zurückgegangen. Dafür seien nicht die Abschüsse verantwortlich. In erster Linie seien es viele unnötige Gamstode in den Wintermonaten, die dieser negativen Entwicklung zugrunde liegen.

 

 

Flüchtige Begegnung mit der scheuen Schönheit

Auf dem Weg zur Graswand drückt Mandi einen mächtigen Lärchenast zur Seite, um auf einen schmalen Jägersteig zu gelangen. Seine Schritte werden langsamer. Er flüstert: „Dort oben könnte was sein.“ Vorsichtig überwindet er eine Geländekante nach der anderen. Plötzlich hält der Jäger an. Auch Anka bleibt stehen. „Da, direkt auf dem Grat! Wenn du schnell genug bist, geht sich ein Foto aus“, meint Mandi grinsend. In der Tat: Klick-klick-klick! Schon hat ihn die Gams im Wind, dreht kurz ihr Haupt und macht sich auf und davon. Wenige Minuten nach dieser Begegnung wird der Aufstieg ein zweites Mal belohnt – mit einem eindrucksvollen Panorama-Rundblick. Auf einem Plateau nahe der Graswand ist Zeit und der ideale Platz für eine Jause. Auf den Vorderen Lahngangsee deutend erklärt der Jäger: „Links vom See siehst du den Salzofen, rechts den Elm. Wenn du über den See Richtung Nordosten blickst, kannst du das markante Rotgschirr erkennen. Und ganz weit hinten den Großen Priel.“ Während der Jause erhascht Anka den einen oder anderen Leckerbissen, der Blick des Jägers schweift in alle Himmelsrichtungen. Vom fernen Grimming über den Dachsteingletscher bis zum sehr nahe erscheinenden Grundlseer Hausberg, dem Backenstein, ist es ein spätherbstlicher Schaugenuss.

 

 

Fehlende Ruhezeiten

Mandi erzählt von einigen schönen Jagderlebnissen. Seine Rückblicke lassen erahnen, wie viel sich in den letzten Jahren im Jagdrevier verändert hat – besonders im Herbst und im Winter: „Früher war man als Jäger zur Zeit der Hirschbrunft im Herbst oft tagelang alleine auf der Alm. Heute werden viele Almhütten von ‚Hobby-Hirschlosern‘ Wochenende für Wochenende intensiv genutzt, obwohl sie sich in der Zeit nach dem Almabtrieb hier eigentlich nur geduldeter Weise aufhalten.“ Anderes Beispiel: Im Winter sei es früher so gewesen, dass die Skitourensaison im März begann. In den Monaten November, Dezember, Jänner, Februar hatte das Wild seine Ruhe. „Mittlerweile sind Skitourengeher und Schneeschuhwanderer unterwegs, sobald der erste Schnee fällt.“ Ein Zeichen wie sehr die Naturnutzung durch Freizeitaktivitäten massiv zugenommen hat. Mehr Bewegung bedeutet aber auch mehr Unruhe und wesentlich schwierigere Rahmenbedingungen für die Jagd.

 

 

Aufklärung statt Zeigefinger

Während der Rast, gibt der Jäger Einblicke in die umfangreichen Aufgaben des Wildmanagements und in die komplexen Herausforderungen, die die Veränderungen mit sich bringen. Mandi ist jedoch keiner, der mit erhobenem Zeigefinger kritisiert. Vielmehr denkt er lösungsorientiert – und über den Tellerrand hinaus. So kommt er unter anderem auf die Initiative „Respektiere deine Grenzen“ zu sprechen, die ihren Ursprung im Nachbarbundesland Salzburg hat. Sie will den respektvollen Umgang mit der Natur und wildlebenden Tieren ins Blickfeld rücken: nicht mit Verboten, sondern mit konsequenter Aufklärungsarbeit. „Respektiere deine Grenzen“ geht davon aus, dass sich die weitaus meisten Problemverursacher der Tragweite ihres Handelns gar nicht bewusst sind. „Diese Initiative ist ein guter Ansatz. Wir könnten auch in unserer Region vieles davon übernehmen“, meint Mandi.

 

 

Tagesausklang beim Murbodenhüttl

Die Jause neigt sich dem Ende zu. Mit gepackten Rucksäcken geht es ins Tal. Der Weg führt an den Gößler Almen vorbei und verläuft über einen steilen Jägersteig. Mandi schreitet voran, Anka folgt ihm, blickt sich immer wieder um und prüft, ob der „Revierrundgangsbegleiter“ wohl noch da ist. Auf dem Kanzlermoos endet die Wanderrunde. Zurück zum Grundlsee fährt Mandi mit dem Auto. Angesichts der herrlich warmen Spätherbstsonne fällt der Entschluss leicht, den Tag bei einem kühlen Getränk auf der neuen Terrasse des Murbodenhüttls gemütlich ausklingen zu lassen. Ein Blick in die Speisekarte führt das Gespräch rasch zum Thema Kulinarik. Auf die Frage nach seinem Lieblingsgericht antwortet Mandi blitzschnell: „Wild is mei Leibspeis!“ Der Jäger schätzt Wildfleisch als pures Naturprodukt und mag es in jeder Variante. Am allerliebsten ist es ihm jedoch klassisch, als ganzer Braten aus dem Rohr.

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